Paradies auf Stegen

© Verena Rydl 2017 - Verwendung nur mit ausdrücklicher Zustimmung - verena@ajoumar.deEs war eine spontane Entscheidung. Und sie war gut. An diesem ersten Wochenende im September ging es statt in die Eifel ins benachbarte Hohe Venn nach Belgien. Aus welchem Grund auch immer waren wir vorher nur im Winter dort. Das Hohe Venn (Hautes Fagnes) ist ein Hochmoor von enormer Ausdehnung. Der größte Teil davon liegt in Belgien. Es ist ein rauer Landstrich auf einem Hochplateau. Wenn die Regenwolken vom Atlantik heran rauschen, dann lassen sie einen großen Teil ihres Regens hier zurück. Nass und kalt kann es hier werden. Aber trotzdem wunderschön. Wir haben für unsere Tour das „Brackvenn“ ausgesucht. Es liegt im nordöstlichen Bereich des Hochmoores, direkt hinter der Grenze bei Mützenich. Hier ist meist nicht so viel los wie in den Hauptteilen des Hohen Venn weiter südlich. Wo genau wir waren, könnt ihr unten unter Info nachschauen.

© Verena Rydl 2017 - Verwendung nur mit ausdrücklicher Zustimmung - verena@ajoumar.deEigentlich erwartete ich nichts Besonderes, da wir die Landschaft ja kannten. Aber ich hatte mich geirrt.
Vereinzelt gab es noch ein bisschen blühende Heide. Noch waren die meisten Gräser saftig grün. Doch einige an den Tümpeln und Teichen leuchteten in knalligem Orange. So, dass man meinen könnte, es hätte hier einen Chemieunfall gegeben. Ich hatte vergessen, wie herrlich sich auch Blätter verfärben können. Die vielen Beerensträucher stehen ineinander verflochten da. Und mit ihnen vermischen sich auch die bunten Farben ihrer Blätter. Wie ein letztes Finale. Ich muss gestehen, dass die Kamera nicht wirklich wiedergeben kann, wie wir es mit unseren Augen sehen.

Es hatte in den Wochen vorher fleißig geregnet und so waren auch die kleinen Seen und Gräben voller Wasser. Der blaue Himmel spiegelte sich überall wider. Und die Sonne brachte alles zum Funkeln. Der Biber hatte, wie bestellt, für uns einen Baum umgelegt und auf den Steg geworfen. Wir konnten genau die Abdrücke seiner Zähne erkennen. Sehen, wie er die Rinde fein säuberlich abgeknabbert hat.

© Verena Rydl 2017 - Verwendung nur mit ausdrücklicher Zustimmung - verena@ajoumar.deAber, an manchen Tagen hat man einfach noch mehr Glück. Es sollte der Tag der Eidechsen werden. In meinem ganzen Leben habe ich noch nie so viele junge Eidechsen gesehen. Am Rand der Holzstege, zwischen den Ritzen der Bretter – auf Schritt und Tritt mussten wir aufpassen, wo wir den Fuß hinsetzten. Ständig hörte ich den Satz: „Guck mal, hier ist eine, da noch eine.“ Es war fantastisch. Und für mich auch eine Premiere – Mooreidechsen (auch Waldeidechse genannt) hatte ich noch nie gesichtet. Wie ich später gelesen habe, sind sie übrigens die einzigen Eidechsen, die lebend gebären.

© Verena Rydl 2017 - Verwendung nur mit ausdrücklicher Zustimmung - verena@ajoumar.deBei der Geburt sind die Jungen gerade mal 4,5 cm lang. Und viel größer waren einige der Exemplare, die wir entdeckten, auch nicht. Man sollte meinen, dass sie scheu sind. Aber sie wollten ihren Platz in der Sonne nicht so einfach aufgeben. Zumindest die Jungen nicht. Im September sind die Tage und Nächte auf dieser Hochfläche schon sehr kühl. Eidechsen benötigen aber Wärme, um Energie zu tanken. Die von der Sonne aufgewärmten Holzstege waren also ihr persönliches Heizkraftwerk. Das ist übrigens ein guter Tipp, wenn man Ausschau nach Eidechsen hält. Sucht einen Platz in der Sonne: auf Felsen, Mauern oder einem umgestürzten Baumstamm, die die Wärme gut speichern.

Alles in allem war es so schön, dass wir gerne wieder dort hin möchten. Vielleicht auch mal ein Wochenende. Denn neben dem Moor hat dieser Teil Belgiens noch viel mehr zu bieten. Fahrt mal hin. Um euch Appetit zu machen, findet ihr unten noch eine Bild-Galerie.

Info:
Die Tour
Bei Mützenich (Eifel) über die unsichtbare Grenze. Danke, Europa! Dann weiter auf der N67 Richtung Eupen. Knapp 1 km hinter der Grenze liegt auf der rechten Seite der Parkplatz: Nahtsief. Unsere Tour war die Kombination von zwei Rundwegen, die man von hier aus laufen kann. Geht vom Parkplatz aus über die Straße. Dort beginnt der Weg durch das Brackvenn. Folgt man ihm, kommt man an eine Art Kreuzung, an der man rechts abbiegen müsste. Hier empfehle ich, einen kleinen Abstecher auf den Weg links in Richtung „Hill“ zu laufen. Der ist nicht lang, aber hier liegen sehr schöne kleine Seen und zum Schluss bekommt man auch noch etwas Fernsicht. Es lohnt sich. Dann wieder zurück und weiter – der Rundweg führt zurück zum Parkplatz. Hier beginnt der zweite Weg. Und dort haben wir dann auch die Spuren der Biber gefunden.

Wetter & Betretbarkeit der Moorflächen
Bevor ihr euch auf den Weg macht, solltet ihr unbedingt nachschauen, ob die Stege durch das Moor, wegen besonderer Witterungsbedingungen oder Schonzeiten für Tiere, gesperrt sind. Auf dieser Website hier könnt ihr das anhand von grünen oder roten Flaggen sehen. Außerdem gibt es noch ein paar Infos und Karten. Die Wege sind „komfortabel“. Aber zieht trotzdem feste Schuhe an, denn manchmal ist es matschig oder Wege leicht überflutet. Regenjacke und Mütze sind auch nicht verkehrt. Hier kann es im Oktober schon schneien.

Hunde dürfen, auch an der Leine, nicht mit in das reine Schutzgebiet. Die Holzstege sind sehr schmal. Laufen sie dann neben den Stegen, können sie, genau wie der Mensch, einsinken oder Tiere stören. Und es gibt sehr seltene Pflanzen und Tiere, die ihren Lebensraum nur hier auf den nährstoffarmen Böden finden können. Also „Düngen“ ist hier problematisch – ihr versteht, was ich meine. Das gilt natürlich auch für menschliche Hinterlassenschaften. Auch Fahrräder dürfen nicht mitgenommen werden. Aber es gibt abseits des Schutzgebietes auch Wege für Hund und Frauchen/Herrchen und das Fahrrad.

+ Tipp 1: Wer vom Wetter überrascht wird oder fußkrank ist, der kann auch weiter nach Belgien rein und nach Malmedy oder Spa fahren. Hier kann man sich dann mit einem Kilo feinster belgischer Pralinen trösten. Oder lecker essen gehen.

+ Tipp 2: Blaubeere oder Rauschbeere? Ich empfehle euch, keine Beeren zu pflücken. Auch wenn es noch zu verführerisch ist. Die Früchte der Rauschbeere und der Heidelbeere sehen für uns Laien zum Verwechseln ähnlich aus. Sie sind ja auch aus einer Gattung. Doch Rauschbeeren tragen ihren Namen nicht umsonst. Und außerdem ist es ja ein Naturschutzgebiet. Da darf man eh nichts pflücken.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert