Hemer – Höhlen, Klüfte & Felsen

Unter die Erde zu verschwinden, eine Höhle zu erkunden, finde ich total spannend. Da bin ich wahrscheinlich nicht alleine. Und Höhlen, die man besuchen kann, gibt es im Sauerland reichlich. Da ist die Dechenhöhle bei Iserlohn. Oder die Attahöhle in Attendorn. Ein Besuch bei meiner liebsten Cousine in Hagen hat uns dann aber auf eine neue Spur gebracht. Wir wollten unbedingt das Felsenmeer in Hemer besuchen. Und haben dann entdeckt, dass dort in unmittelbarer Nähe die Heinrichshöhle liegt. Also nix wie hin.

Heinrichshöhle – klein, aber fein.

© Verena Rydl 2017 - Verwendung nur mit ausdrücklicher Zustimmung - verena@ajoumar.deDie Heinrichshöhle ist nicht so bekannt und auch nicht so groß wie andere. Sie ist keine „Schauhöhle“, kein unterirdisches Disneyland. Aber gerade das hat für mich seinen Reiz. Es fühlt sich viel uriger an, wenn nicht jeder Winkel bis ins letzte ausgeleuchtet ist. Vielleicht gibt es weniger Tropfsteine. Aber die, die da sind, kann man meist viel näher betrachten und sind genau so schön wie in den großen Höhlen. Und auch die kleinen Höhlen haben lokale Besonderheiten die einzigartig sind. In der Heinrichshöhle gibt es herrliche kleine Sinterbecken, überzogen mit winzigen Kristallen, die im Licht funkeln wie tausend Edelsteine. Hohe Felsspalten tun sich über den Köpfen auf. Das hatte ich vorher noch nie so gesehen. Das ist vor allem spannend, wenn man bedenkt, dass man später genau solche Spalten im Felsenmeer entdecken wird. Und so bekommt man ein Gefühl dafür, wie die Landschaft oben mit der unten zusammenhängt. Außerdem gibt es jede Menge Knochen. Nicht die vermisster Besucher, sondern aus der Urzeit, z.B. das Skelett eines Höhlenbären.

© Verena Rydl 2017 - Verwendung nur mit ausdrücklicher Zustimmung - verena@ajoumar.deIn den „kleineren“ Höhlen erlebt man meiner Meinung nach Dinge, die man in einer großen Tourismusattraktion nicht erfahren wird. Eins begeistert mich besonders. Diese Höhlen werden meist von Vereinen betreut. So auch die Heinrichshöhle. Die Mitglieder sind es, die mit ihrem Engagement die Höhlen weiter erschließen, erforschen und Menschen wie mir zugänglich machen. Wir waren schon öfter hier. Und jedes Mal war die Führung interessant und lehrreich. Hatte immer eine persönliche Note. Einmal ist es ein Ehrenamtler, der ganz in der Geologie aufgeht. Dann ein anderer, der vielleicht mehr über das Abenteuer zum Erforschen von Höhlen gekommen ist. Und der erzählt dann mit einem Funkeln in den Augen, wie es ist, sich durchs Dunkel irgendwo abzuseilen und nicht zu wissen, was unter einem ist. Egal, was diese Menschen zu diesem Hobby gebracht hat, sie erzählen authentische Geschichten. Und das wirkt ansteckend.

 

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Es passiert auch sehr Lustiges…

Da schwenkt schon mal jemand die Taschenlampe oberhalb deines Kopfes und sagt: „ Ach übrigens, direkt über ihrem Kopf hängt eine Fledermaus!“ Ja, da war wirklich eine. So nahe, das sie mir einen Scheitel hätte ziehen können. Oder auf meine Frage, wie es sich wohl anfühlt, wenn nicht die ganze Beleuchtung an wäre, es einfach – Klick-Klack- macht. Und ich im tiefsten Schwarz stehe, das ich je erlebt habe. Und dann eine tiefe Stimme wie in Deep Throat ertönt und fragt: Und? Wie es fühlt es sich an….?“ SPOOKY – so fühlt es sich an! Ein Himmelreich für eine Aldi Mini LED-Funzel hätte ich gegeben.

 

Felsenmeer

© Verena Rydl 2017 - Verwendung nur mit ausdrücklicher Zustimmung - verena@ajoumar.deKommt man im Sommer, dann ist da erst einmal der herrliche alte Buchenwald, der einen mit seinem Schatten begrüßt. Wenn man die Straße von der Höhle aus in der prallen Sonne hochgegangen ist, freut man sich über so etwas ungemein. Entlang der sehr gut ausgebauten Wege sieht man dann tiefe Spalten und Klüfte. Riesige Felsbrocken, bewachsen mit Moos und Farnen. Der Efeu hängt wie ein dichter Vorhang über dunklen Löchern. Die Bäume scheinen in die Felsen hineinzuwachsen. Oder halten sich wie mit Klauen an den Felsen fest. Ein bisschen wie im Zauberwald ist es hier. Aber nicht da wo die Prinzessin wohnt, sondern die bösen Riesen und fiesen Zwerge. Der Legende nach war es der Teufel. Aber in Wahrheit war es eine tektonische Verschiebung, das Wasser und der Mensch, die dieses Felsenmeer geprägt haben. Seit mindestens 1000 Jahren haben Menschen hier nach Bodenschätzen gesucht. Ihre Spuren kann man heute noch finden.

 

© Verena Rydl 2017 - Verwendung nur mit ausdrücklicher Zustimmung - verena@ajoumar.deDie schönsten Ausblicke hat man von den angelegten Balkonen oder Brücken. Denn sonst kann man das Felsenmeer nur durch die im Sommer dichte Vegetation von den Wegen aus sehen. Obwohl auch das sehr spektakulär ist. Ich könnte mir vorstellen, dass es im Herbst ganz anders wirkt. Nach ein paar Tipps weiter unten findet ihr noch eine weitere Bild-Galerie.

 

 

 

Info:

Für Höhle und einen ausgiebigen, gemütlichen Spaziergang durch das Felsenmeer braucht man ca. 3 Stunden – ohne Pause. Im Felsenmeer ist das Betreten abseits der Wege strengstens verboten. Nicht nur wegen des Naturschutzes. Laub und Zweige verdecken tiefe Spalten und Löcher (Hunde daher bitte unbedingt anleinen). Außerhalb der Wege besteht Lebensgefahr.
Wegen der Öffnungszeiten der Höhle unbedingt vorher hier auf der Internetseite nachschauen.

+ Tipp 1: Erst Höhle, dann Felsenmeer. Für mehr „Höhlenfeeling“ versucht, eine der frühen Führungen zu besuchen. Am Mittag oder Nachmittag sind die Gruppen oft viel größer. Oder kommt außerhalb der Saison. So kann man besser und länger gucken oder mehr Fragen stellen. Bringt eine Taschenlampe mit, dann macht es noch mehr Spaß.

+ Tipp 2: Oft wird es mit dem Kommerz übertrieben. Aber hier ist das anders. Damit unterstützt ihr die ehrenamtliche Arbeit des Vereins, der die Höhle betretbar macht. Kauft euch doch eine Broschüre, z.B. „Heinrichshöhle und Felsenmeer“ , dann habt ihr direkt mehr Informationen und eine Übersichtskarte, wenn ihr später das Felsenmeer besucht. Oder nehmt ein paar Mineralien mit, die man preiswert kaufen kann. Diese sind hübsche Mitbringsel, statt Blumen, für eure Lieben oder ein schönes Andenken.

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