Magischer Moment

Wir standen Ende September 2011 mit unseren Freunden auf einer kleinen Brücke von der dänischen Insel Møn zum Vogelreservat auf Nyord. Nicht ganz zufällig. Ich weiß nicht, ob ihr im Freundeskreis begeisterte Angler habt. Aber wenn man gerade gemütlich auf der Couch sitzt und die Angler stürmen herein, schmeißen die Angeln in die Ecke und sagen – „Los, zieht euch was Warmes an … das müsst ihr sehen“. Da schrillen bei mir die Alarmglocken.

Als wir dann alle gemeinsam auf der Brücke standen wussten wir, was sie meinten. Dass wir etwas ganz Besonderes erleben würden – ein vollkommenes Naturschauspiel. Einen Sonnenuntergang so schön, dass es sich nicht wie von dieser Welt anfühlte. Selbst die Mücken haben andächtig innegehalten … und uns verschont.

Es war absolute Windstille, keine Wolke am Himmel. Nur leichter Dunst kam auf. Das Wasser war ein perfekter Spiegel. Die Farben verliefen in feinen Schattierungen ineinander und wurden vom Wasser wieder zurückgeworfen. Zarte Pastelltöne auf der einen und intensives, leuchtendes Rot und Orange auf der anderen Seite. Und so löste sich allmählich das Oben und Unten auf. Alles hat sich in allem widergespiegelt. Himmel, Wasser und Land verschmolzen. Dann war alles Farbe. Wir waren Farbe. Uns umgab ein einziger Farbenrausch. Das hat sich für immer in mein Gedächtnis eingebrannt.